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Dienstag, 10. Oktober 2017

Produkttest
Juki TL-2200QVP mini
Abschlussbericht

Kathy Henkel – www.gute-naht.de
 
Schneller als gedacht sind die drei Monate rum, in denen ich die Juki TL-2200QVP mini im Rahmen einer Aktion von nähPark Diermeier bei mir Zuhause haben und auf Herz und Nieren testen durfte.
Nach den ersten Gehversuchen (z.B. Einfädeln und Highspeed-Nähen) hatte mich vor allem interessiert, wie die Juki mit verschiedenen Materialien und Stofflagen - und hier besonders mit den dicken - klarkommt. 

Noch einmal mit Kraft
Diesbezüglich konnte sie mich auf ganzer Linie überzeugen und im letzten Teil sollte sie mir noch ihre Quilting-Eigenschaften offenbaren.


Bevor ich mich jedoch wie geplant an ein Quiltprojekt begeben konnte, musste die Juki sich noch einmal mit schwierigem Material auseinandersetzen. Im Rahmen eines Probenähens habe ich an ihr ein Herrenportmonnaie aus Tafelstoff genäht.


Transport von oben
Ich habe für dieses Projekt den Obertransportfuß eingebaut. Etwas irritierend war für mich, dass man hier für den Fußwechsel die entsprechende Schraube komplett entfernen muss. Die anderen Füße haben eine nach oben offene Schiene, so dass man nach Lösen der Schraube den Fuß nach/von unten entfernen bzw. einschieben kann. Der OTF hat nur ein Loch.


Bei genauerer Überlegung erscheint diese Lösung aber als sehr durchdacht, da im Regelfall bei Nähprojekten, wo der OTF zum Einsatz kommt, auch eine größere Stabilität erforderlich ist.
Der Obertransportfuß ist  wie auch der „normale“ Nähfuß relativ schmal, was eine gute Sicht auf das Nähgut ermöglicht und knappkantiges Nähen erleichtert. Das Nähen ist in beide Richtungen problemlos möglich. (Zum Vergleich: beim OTF meiner Nähmaschine sind die beweglichen Transportfüßchen hinten offen. Bei z.B. Kunstfell verhaken sich diese beim Rückwärstsnähen in den langen Fransen.)

Locker flockig die Dritte (oder 4. oder ...)
Am Ende war ich einmal mehr begeistert von der problemlosen Bewältigung dickerer Stofflagen und dem gleichmäßigen Transport des Nähguts. Das Nahtbild ist einfach fantastisch und das sogar von beiden Seiten. (Das Portemonnaie wird komplett von rechts genäht, es sind also beide Nahtseiten sichtbar. Mit der Juki gar kein Problem.)

Kleiner Wermutstropfen
(Was bei diesem Projekt hilfreich gewesen wäre: eine Punktvernähfunktion. Eine Verriegelung mit Vor- und Rückstichen kam hier wegen der vorgesehen Nähweise von rechts nicht infrage. Daher musste ich bei jeder Naht die Enden per Hand verknoten, was den veranschlagten Zeitrahmen etwas sprengte.)

Optimale Ausstattung für Quilter
Aus zeitlichen Gründen und auch, weil Quilten für mich Neuland ist, entschied ich mich für einen Miniquilt aus rechteckigen Blöcken. Um den Test komplett zu machen, montierte ich trotz der überschaubaren Größe des Projektes den Anschiebetisch.


Dieser wird einfach über den Freiarm nach unten gedrückt, kleine Gumminoppen an der Innenseite sorgen für guten Halt, die ausklappbaren Füße sind höhenverstellbar, was mir sehr entgegenkam, da der Tisch bei mir zur Hälfte auf einer Schneidematte steht.


Durchdachte Lösung
Und hier hat Juki noch weiter mitgedacht: Im Anschiebetisch befindet sich eine Klappe, durch die man die Unterfadenspule erreicht, der Tisch muss also zum Fadenwechsel nicht extra abgenommen werden. Und der Tisch besitzt eine Haltevorrichtung für den Kniehebel. Dieser kann also bei Nichtgebrauch unter den Tisch geclipst werden und ist aus dem Weg.


Keine Erwartung zu hoch
Die Tellzwozwo bestätigte, was ich eigentlich erwartet hatte. Die dünne Baumwolle lief wieder problemlos und der Stoff hat sich auch beim Nähen nicht verzogen. Das Nähen im Nahtschatten war ebenfalls kein Problem.


Nachdem der Patchworkteil fertig war, wollte ich das Top noch mit einem Quiltmuster versehen. Die Füßchen sind schnell getauscht, der offene Quiltfuß (für Freihandquilten) war das Werkzeug meiner Wahl. Der Untertransport kann zu diesem Zweck mit einem Hebel versenkt werden.
Im Handbuch wird darauf hingewiesen, dass der Fußdruck auf Minimum gestellt werden soll. (Einer der wenigen Fehler im Handbuch: der erwähnte grüne Balken ist bei der Tellzwozwo blau). Anfangs zeichnete ich ein paar Ranken vor, nachdem ich diese „aufgemalt hatte“, entschied ich mich dann aber doch für ein Freihandschnörkelmuster.

Freihandquilten besser mit Handschuhen
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir dann klar, warum Quilter oftmals Handschuhe tragen. Trotz des runtergeregelten Fußdrucks fiel es mir teilweise recht schwer, den Stoff in die gewünschte Richtung zu bewegen.
Bei meiner Nähmaschine, die ebenfalls Quilter als Zielgruppe hat, bietet der Quiltfuß fast gar keinen Halt für den Stoff. Teilweise folgen die Stofflagen dem Fuß/der Nadel etwas nach oben und man bekommt unfreiwillig „Sprünge“ im Nahtbild.


Das kann bei der Juki nicht passieren. Hier war mir der Fuß fast schon etwas zu fest. Ich denke aber, dass das die „richtigere“ Art ist, denn mit Handschuhen, die auf dem Stoff besser haften, hätte ich die drei Quiltlagen sicher leichter führen können und damit eine sicherer Stoffgestaltung gehabt als wenn der Fuß zu locker ist.
Im Gegenzug verlaufen die Linien hier viel gleichmäßiger, als sie das bei meinen ersten Versuchen auf meiner eigenen Maschine tun. Und auch hier hatte ich wieder den Eindruck, dass die Juki sich wohler fühlt, wenn sie schneller darf.


Fazit:

Die Juki TL-2200QVP mini überzeugt auf ganzer Linie durch hochwertige, robuste Verarbeitung, sauberen Stofftransport, schönes Nahtbild, Vibrationsarmut, leise Laufleistung bei gleichzeitig hoher Stichgeschwindigkeit und umfangreiches Zubehör.
Allerdings ist diese Maschine hoch spezialisiert und hier komme ich auf meinen Anfangsvergleich mit Autos zurück: Wer sehr oft lange Autostrecken fahren muss und neben seinem alltagstauglichen Stadtauto mit großem Kofferraum und viel Platz für Getränkekisten und Urlaubsgepäck noch Geld und Stellplatz für einen PS-starken Wagen hat, in dem man zwar die Familie nicht mitnehmen kann, dafür aber in der Hälfte der Zeit am Ziel ist, der ist mit der Juki gut beraten.
Für Quilter bringt sie alles mit, was diese benötigen und auch wer ansonsten nur den Geradstich benötigt, kann mit dieser Maschine nichts falsch machen.
Für Hobbynäher wie mich, die Kleidung, Taschen, Deko und sonstigen Firlefanz nähen, die Zierstiche und Zickzack-Versäuberung benötigen und auch mal Knopflöcher machen müssen, wäre die Tellzwozwo allenfalls eine - wenn auch sehr hochwertige - Ergänzung zum bestehenden Nähmaschinenpark.
Am Ende geht natürlich auch der Preis mit in die Waagschale. Für die Qualität, die man bekommt, ist die Juki sicher nicht teuer, hier stimmt meines Erachtens das Preis-Leistungsverhältnis. Dennoch muss man schon recht viel Geld in die Hand nehmen. Nicht umsonst ist die Maschine ausgeschrieben als Profischnellnäher für Quilter und Vielnäher. Mal eben so wird man sich diese Nähmaschine nicht kaufen können.

Mittwoch, 30. August 2017

Produkttest
Juki TL-2200QVP mini
Zwischenbericht

 Kathy Henkel – www.gute-naht.de


Gemeinsam durch dick und dünn
Mittlerweile  befindet sich die Juki-Testmaschine von nähpark Diermeier bereits eine Weile bei mir und hat sich harmonisch in das Gesamtbild meines Arbeitsplatzes ein­gefügt. Meine Prinzessin musste für einige Zeit ihren Stammplatz opfern, ich hoffe, dass sie mir das nicht krumm nimmt, wenn die Tellzwozwo wieder auszieht.
Nach meinen ersten zaghaften Versuchen, die QVP mini näher kennenzulernen, hatte ich in der Zwischenzeit die Gelegenheit, sie etwas ausführlicher zu testen.
Nun wollte ich endlich wissen, wie schlag- oder besser durchnähkräftig sie wirklich ist.
Also musste sie ran an die Tasche. 

Erste Gehversuche
Ich wollte mich dennoch - vor allem zu ­meiner eigenen Sicherheit - langsam Herantasten, deswegen wählte ich als erstes „dickeres“ Projekt eine E-Reader-Hülle. Ich glaube, die Juki hätte mich gerne ausgelacht, wenn sie könnte. Kork mit SnapPap, Baumwolle und Vlieseline zu verbinden war nun wirklich zu einfach.

Kurz darauf stand ein Probenähen für einen Rucksack an, das passte nun perfekt zum Testvorhaben.
Das Einfädeln beherrsche ich mittlerweile auswendig und schnell, mit der Einfädelhilfe habe ich mich auch angefreundet und den automatischen Fadenabschneider, der mir anfangs zu laut erschien, benutze ich nun regelmäßig.

Saubere Nähte
Was mir schon bei den ersten Versuchen aufgefallen war: die QVP hat wirklich ein tolles Stichbild. Egal, mit welcher Geschwindigkeit und Stichlänge man durch den Stoff geht, die Naht sieht toll aus.


Die ersten Nähte waren schnell gemacht, die größere Herausforderung war für mich anfangs wieder wie so oft beim Nähen das „umgekehrte“ Denken, also die Vor­stellung, wie das Ganze denn am Ende von der rechten Seite aussehen sollte.
Die erste Hürde für meine eigene Maschine – und hier will ich der Anfrage auf meinen ersten Testbericht nachkommen: ich nähe sonst auf einer elna ­Excellence 760 – wäre das Gurtband gewesen.

Locker flockig Teil 1
Eine Lage Gurtband auf den mit Decovil verstärkten Stoff, ein zweites Gurtband obendrauf und festgenäht.

Souverän geht die Tellzwozwo über Täler und Berge, fast habe ich den Eindruck, ich bin ihr zu langsam, mit höherer Geschwindigkeit transportiert sie besser und ohne zu mucken.
Ich werde mutiger und alle Querverbindungen und Träger sind im Nullkommanix angenäht.

Vier Lagen Stoff, Decovil und Gurtband
Der Reißverschluss ist sowieso kein Problem und der Standardnähfuß so schmal, dass man den RV-Fuß gar nicht unbedingt benötigt.
Nun geht es ans Eingemachte – das ist zumindest mein Gefühl. Zwei Lagen verstärkter Stoff plus zwei Lagen Stoff von den Aufsatztaschen plus doppelt gelegtes Gurtband.


Wieder bin ich vorsichtig und langsam, dieses Mal zum Glück, denn auf einmal will die Juki nicht mehr. Der Motor brummt, die Nadel zuckt mitten in der dicken Stelle zurück. Die Elektronik sorgt dafür, dass die Nadel nach oben kommt, dann wird es still.

Das war's schon?
Ich drehe das Handrad weiter und versuche es noch einmal, mit demselben Ergebnis. Nun bin zugegebenermaßen etwas enttäuscht, sollte eine Maschine nach Industrie­standard das nicht locker schaffen?
Nochmals drehe ich das Handrad, um nach dem Problem zu schauen, als es mir wie ­Schuppen von den Augen fällt. In meiner ganze Testeuphorie habe ich nicht einmal nach der Nadel geschaut. Und siehe da, die eingebaute Schmetz 80 (gehört nicht zum Liefer­umfang?) ist natürlich nicht die geeignete Nadel.

Locker flockig Teil 2
Nachdem ich die Universalnadel gegen die mitgelieferte HAx1 14 getauscht und das Nähstück etwas oberhalb der Hürde neu eingelegt habe, schnurrt die Juki ohne Probleme auch über diese ca. 3 cm dicke Stelle.


Ich schöpfe neuen Mut und die restlichen Nähte sind kein Problem. Die Tellzwozwo rauscht durch und über SnapPap, Kork und Cord, Baumwolle, Kordeln und Kunstleder gleichermaßen.


Und was ist mit dünn?
Nachdem ich meine Probenähprojekte erfolgreich zu Ende gebracht hatte, wollte ­der Mann nun noch eine schnelle Urlaubs-Relax-Hose. Neue Stoffkäufe werden nur noch zähneknirschend gestattet und so bin ich Fan der Bettwäscheverwertung geworden. ­(Wenn ich etwas für ihn nähen soll, muss der Stoff sowieso aus dem Bestand entnommen werden.)
In diesem Fall musste die Bettwäsche vom Schweden herhalten, die noch aus seiner Junggesellen-Zeit stammte und ein unbeachtetes Dasein als Schrankleiche fristete, da sie mittlerweile nicht mehr zum Interieur passte und wegen ihrer Sondergröße auch für die Gästebetten ungeeignet war.

Nichts ist zu einfach
Dieses Projekt erschien mir etwas zu banal für die Juki, da ich aber nur gerade Nähte benötigte, wollte ich auch nicht extra den Nähtisch wieder umbauen. Also ging auch diese Näharbeit an die Tellzwozwo.
Und was ich bereits zu Anfang vermutet und auch lapidar getestet hatte, bestätigte sich hier: der ohnehin dünne und durch viele Wäschen und Jahre der Nutzung sehr dünn gewordene Stoff wurde von der QVP mini ebenso problemlos verarbeitet wie die Hügellandschaft der Taschen und Rucksäcke. Das dünne Stöffchen lief genauso locker und ungekräuselt unter dem Nähfuß durch.

Mehr oder weniger spannend
Bei all der Lobhudelei: natürlich musste ich Faden­spannung und Nähfußdruck verändern, das geht nicht automatisch über irgendein Programm für dünne oder dicke Stoffe.


Passend zur Zielgruppe erwartet die Maschine, dass der Anwender das weiß (genau wie das mit der richtigen Nadel ;-)).
Aber dennoch will Juki einem das Leben nicht allzu schwer machen, und so ist sowohl auf dem Rädchen für die Fadenspannung als auch auf dem Fußdruckregler eine Skala angebracht, welche die Einstellung „live“ anzeigt.


Bei dem dünnen Stoff zeigt sich ein Vorteil des „nur“ Geradeausnähenkönnens: Die Stichplatte hat nur ein kleines Loch für die Nadel, und dieses bietet wenig Möglichkeit den Stoff zu „fressen“, wie das die Alleskönner-Maschinen bei dünnen Fasern gerne tun. Ob sie mit „flutschigen“ dünnen Stoffen genauso problemlos klarkommt, habe ich noch nicht getestet.

Dieses war der zweite Streich
Bisher hat die Juki mich in allen Bereichen überzeugt.
In der letzten Testphase möchte ich mich mit der Quiltausstattung beschäftigen.
Das Thema ist abgesehen von ein paar Einstiegsversuchen auf meiner elna, die ja ebenfalls Quilter als Zielgruppe hat, noch völlig neu für mich. Mal gucken, wie wir uns anstellen.